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SCHRENZ „Kur“

Schrenz_Kur

 

Band: Schrenz
CD-Titel: Kur
Label: Eigenproduktion
Erscheinungsdatum: 9.9.2014

Tracklist:

1. Motorbett
2. Der Petrus
3. Gummi
4. Krise

 

Gegen den Endgültigen aus Zucker

Oh ja, die Wiener Band Schrenz hat eine neue EP am Start. Ihr Mundart Rock (Eigendefinition) stampft auf Kur zwar nicht wirklich schneller, dafür um ein paar zig Kilo härter und tighter als das Material der letzten Veröffentlichung Hirnpause (2011, Edelbrand Records). Ohne Umschweife kommen Schrenz gleich beim Opener auf den Punk(t) und hauen uns mit „Motorbett“ wieder mal einen Schrenz- Standard um die Ohren, der alle ihre Trademarks vereint: Punkig bolzende Rythmustruppe, Rockgitarre knackig mit Solo, ein Refrain zum Niederknien und ein völlig krankes Outro. Ergibt in Summe: Mitgröl- Modus an, das macht ja Spaß hier! Ob nun mit Motorbett ein elektrisch verstellbarer Fernsehsessel oder doch eine medizinische Ruhestätte, in der man mit Lemmy kuscheln kann, gemeint ist, wird nicht völlig klar. Und das ist gut so. Vielleicht ist das ja auch ein und dasselbe!? Oder gehts doch um Drogen? Kritik meinerseits: Das 3-Minuten-Format könnte dem Song (noch) besser stehen, weil er für mich so ein „klassischer“ Punkrocksong ist.

Sänger und Texter Eisenmenger legt seinen Gesang meist rau und rotzig an. Damit mein ich: Der Mann kann brüllen, dass es eine Freude ist. Gleichzeitig zwingen die erhabenen Gesangsmelodien zu augenblicklichen Mitsingwallungen und pflanzen sich sofort in Ohr und Hirn.  Das Zornpinkerl kann aber auch anders und macht uns gerne den Hofnarren. Fein grinsende Gänsehaut kommt auf, wenn Eisenmengers Stimme von dozierender Ironie in Raserei umschlägt und dabei trotzdem eine epische Melodie führt. Düster und wütend rocken die Refrains von „Der Petrus“, „Gummi“ und „Krise“. Bei den Strophen zuckert das Keyboard (ebenfalls Eisenmenger) noch eine Prise Horror-Feeling drüber, die den Songs bestens zu Gesichte, äh Fratze steht. Bei „Krise“ führt das sogar dazu, dass Schrenz bei den Strophen poppig klingen, bevor dann eh alles wieder auf ruppig gebürstet wird. In der  Produktion von Mario Nentwich (Concrete Studio) ist insgesamt alles schön nach vorne gemischt und macht mächtig Druck.  Aber was genau wird eigentlich bei manch Strophenteilen gesungen? Bei schnellen Wortkaskaden bleibt leider ein Teil der Texte auf der Strecke, was wirklich schade ist  bei schrenzbedingten Mitgrölhymnen! Der „neue“ (auch schon wieder zwei Jahre oder?) Kranzler (vormals Unding) darf am Bass des öfteren den Bad Monkey spielen und das macht er gemeinsam mit Drummer Pap (Kontrastprogramm) hervorragend, der ebenfalls an Wucht und Groove zugelegt hat. Tja, und der Gitarrist heisst tatsächlich Schrammel! Glücklicherweise lebt der das aber nicht wörtlich aus der Schorsch. Der steht nach wie vor auf Rockriffs, WahWahs und Downstrokes im klassisch angezerrten Les Paul- Gewand.

Und die Texte? Wortspiele im Wiener Dialekt mit Ironie in surrealen Bildern treffen auf (teils) infantilen Humor und explizite Sozialkritik. Derb im Auftreten und doch mit einem treffsicheren und feinen Gespür für einen guten Songtext ausgestattet, kommt Eisenmenger ja ursprünglich aus der Kurzprosa- Ecke. Texte die einerseits sofort hängen bleiben und doch Zeit zum Sickern brauchen. Kleine Kostprobe gefällig: „Uhren die nicht gehen/ Leute die im Schlafen stehen/ Esoterische Hydranten/ Depressive Elefanten/ August und Leopold sind sich auch nicht immer hold/ Auch Marie und Fräulein Ruth hatten leider an Disput/ Der Stephansdom auf Blunzengröstel frisch serviert/ Dazu das Gänsehäufel liebevoll kandiert…. Ich brauch‘ mein Motorbett / Wäu da wors immer nett / Motorbett Motorbett Motorbett/ Wäu da wors immer nett.“ (Motorbett). Liebevoll auch: „.. Gummiliebe/ lieben Gummi/ Gummidichte/ dichten Gummi/ Gummireife/ Reifengummi/ Gumminazi/ Nazigummi .. Meine Wöd is aus Gummi/ Meine Gedanken die san weich.. “ (Gummi). Persönliche Lieblingsmomente: Der überdrüber Rock n´Roll- Refrain von „Motorbett“, die zähe Drum&Bass- Horrorwalze mit der „Der Petrus“ Fahrt aufnimmt und das wunderbar doomige Finale von „Krise“, wenns heisst: „Schullllllll…den…breeeem…se…Null..defi….ziiiiiiiiiiitt… Karli… Heinz…Strassa… Du Oarsch“. Da wird eine Seelenverwandtschaft mit Bands wie Drahdiwaberl und auch Knorkator spürbar, ohne dabei irgendwas an Eigenständigkeit zu verlieren. Das ist einfach unverkennbar Schrenz!

Es hat den Anschein, als fühlten sich Schrenz ganz wohl dort, wo sie sind. Nämlich im Wiener Underground. Dort genießen sie allerdings jetzt schon Kultstatus bei rockaffinen MusikliebhaberInnen. Dementsprechend kommt die CD als charmante Eigenproduktion Marke DIY daher: Selbstgebrannt ohne Label und Vertrieb. Erhältlich ist das gute Stück bei Konzerten. Besonderes Goodie: Auf der Band-HP kann man sich „Motorbett“ und „Der Petrus“ gratis runterladen und schon mal aufs nächste Konzert einstimmen. Schrenz sei dank!

Band-Website: http://www.schrenz.wg.vu

(c) leo taschner, 16.10.2014

Diskussionen

Ein Gedanke zu “SCHRENZ „Kur“

  1. Wer kennt die neuen Songs? Wann hört ihr am liebsten Schrenz? Was geht gar nicht?

    Gefällt mir

    Verfasst von leotaschner | 17. Oktober 2014, 10:28

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